Im Blickpunkt

Abbildung 14

Im Jahr 2020 hat die EU die EU-Taxonomie-Verordnung veröffentlicht, in der “grüne” Wirtschaftstätigkeiten definiert werden, über die Unternehmen seit dem 1.1.2022 für das Geschäftsjahr 2021 berichten müssen. Berichtspflichtig, so heißt es in der PM des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PwC vom 21.2.2022, seien “grüne” Umsätze, Investitionsausgaben und operative Aufwendungen. Ab 2023 würden diese Kennzahlen auch prüfungspflichtig. PwC Deutschland habe daher wissen wollen: “Wie gut wissen die von der EU-Taxonomie betroffenen Unternehmen überhaupt, ob und inwiefern sie unter die Bestimmungen der Verordnung fallen? Und inwiefern sind sie bereit für deren Umsetzung?” Ein Kernergebnis laute: “Vier von zehn Unternehmen haben sich im Befragungszeitraum (April bis Ende Juni 2021) noch nicht mit dem Thema inhaltlich auseinandergesetzt – obwohl zehn Prozent von ihnen sagen, dass sie die Bestimmungen der EU-Taxonomie umsetzen müssen”. PwC habe für die Studie insgesamt 170 Unternehmen aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz befragt. Ein weiteres zentrales Studienergebnis laute: “Von den 89 Unternehmen, die sich bereits mit der EU-Taxonomie befasst haben, haben erst 44 Prozent genauer ermittelt, welche Wirtschaftstätigkeiten im Delegierten Rechtsakt der EU-Taxonomie definiert sind. Das ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zur Umsetzung.” So hätten im Befragungszeitraum erst 28 % der Befragten Umsetzungsprojekte gestartet. Immerhin weitere 19 % hätten dies für die folgenden zwölf Monate geplant. Aber zwölf Prozent hätten angegeben, erst in den kommenden zwei bis drei Jahren mit der Umsetzung starten zu wollen. “Das halte ich angesichts des objektiv hohen Zeitdrucks für sehr riskant – zumal selbst Unternehmen, deren Wirtschaftsaktivitäten aktuell von der EU-Taxonomie nicht erfasst werden, zur Berichterstattung verpflichtet sind,” meine Nadja Picard, Global Reporting Leader bei PwC Deutschland. – Zur Nachhaltigkeitsberichterstattung s. auch die Erste Seite von Pott in dieser Ausgabe.

Gabriele Bourgon, Ressortleiterin Bilanzrecht und Betriebswirtschaft

BB 2022, 489