Im Blickpunkt
Die neue Rechtsform einer “EU Inc.” findet unter Gründern breite Unterstützung (vgl. PM bitkom vom 6.7.2026). Sechs von zehn (62 %) würden ihr nächstes Startup als EU Inc. gründen, nur für jeden zehnten (10 %) kommt das nicht in Frage. Gut ein Viertel (28 %) könne oder wolle sich dazu nicht äußern. Das ist das Ergebnis einer Befragung von Bitkom Research unter 102 Tech-Startups in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Aktuell werden die Pläne für die EU Inc. auf europäischer Ebene diskutiert, in Kürze werden dazu die entscheidenden Trilog-Verhandlungen beginnen. Ziel ist eine EU-weit einheitliche Rechtsform, die Gründungen und grenzüberschreitendes Wachstum deutlich vereinfacht. “Europa braucht mehr Tech-Startups. Die EU Inc. würde das Gründen stark vereinfachen und Wachstum außerhalb der nationalen Grenzen erleichtern”, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. “Die große Zustimmung unter Gründerinnen und Gründern zeigt, dass die EU die Weichen richtig stellt. Jetzt gilt es, die Pläne rasch und europaweit einheitlich umzusetzen.” Damit die EU Inc. wirklich erfolgreich sein kann und dem Startup-Ökosystem einen Schub verleiht, müsse sie nach Ansicht der Gründer vor allem die Expansion in andere EU-Länder ohne lokale Tochtergesellschaften ermöglichen – das halten 94 % für sehr oder eher wichtig. Knapp dahinter folge ein rein digitaler und automatisierter Prozess über einen One-Stop-Shop (91 %), also eine einheitliche Anlaufstelle auf Seiten der zuständigen Behörden. 82 % sei eine digitale Anteilsübertragung ohne Notar oder andere zusätzliche Stellen und Personen wichtig, 78 % die freie Wahl des Gesellschaftssitzes innerhalb der EU. Für jeweils rund zwei Drittel sollte die EU Inc. einen EU-weit einheitlichen Mustervertrag für Startup-Investments bieten (69 %), einheitliche Regelungen zur Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligung schaffen (67 %) sowie arbeits- und sozialpolitische Regeln harmonisieren (67 %). Die Gründung innerhalb von 48 Stunden sei ebenfalls für 67 % entscheidend, damit die EU Inc. erfolgreich wird. Am seltensten genannt werden die geplanten niedrigen Kosten von 100 Euro für die Gründung, dies halten nur 57 % der Gründer für wichtig. “Entscheidend ist, dass die EU Inc. im nun anstehenden politischen Verfahren nicht zerredet und die zentralen Regelungen Bestand haben”, so Wintergerst. Vgl. zur EU Inc. auch J. Schmidt, Die Erste Seite, BB Heft 22/2026.
Uta Wichering, Ressortleiterin Wirtschaftsrecht
BB 2026, 1601
