Im Blickpunkt
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg gemäß einer PM der Creditreform Wirtschaftsforschung vom 23.6.2026 im ersten Halbjahr 2026 um 7,8 % auf 12 900 Fälle – das sei der höchste Stand seit 2013. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession seien viele Unternehmen finanziell geschwächt. Der durch den Iran-Konflikt ausgelöste Öl- und Energiepreisschock habe die Situation zusätzlich verschärft. “Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei unseren Unternehmen, die durch den Konflikt im Nahen Osten noch mal verschärft wurde. Der erhoffte Konjunkturaufschwung ist durch die monatelange Blockade der Straße von Hormus bisher ausgeblieben”, erkläre Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Vor allem der starke Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise habe Unternehmen und Verbraucher belastet. Insolvenzgläubiger – darunter Lieferanten, Kreditgeber und Sozialversicherungsträger – hätten erneut überdurchschnittlich hohe Ausfälle hinnehmen müssen. Die Schadenssumme infolge von Unternehmensinsolvenzen habe sich im ersten Halbjahr 2026 auf rund 28,5 Mrd. Euro belaufen. Zudem seien im bisherigen Jahresverlauf rund 165 000 Arbeitsplätze betroffen gewesen (erstes Halbjahr 2025: 143.000). Die Studie von Creditreform zeige einen deutlichen Anstieg bei sehr jungen Unternehmen im Alter von bis zu zwei Jahren, die sich noch in einer frühen Phase nach der Gründung befinden. In dieser Altersgruppe habe die Zahl der Insolvenzen um 25,3 % zugenommen. Ebenfalls zweistellig sei der Anstieg bei Unternehmen im Alter von drei bis vier Jahren ausgefallen (plus 11,1 %). Größere Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten hätten im ersten Halbjahr 2026 einen überdurchschnittlich starken Anstieg der Insolvenzen um 28,6 % verzeichnet. Dies deute darauf hin, dass dieses Größensegment von den aktuellen wirtschaftlichen Belastungen in besonderem Maße betroffen sei. Der überwiegende Teil der Insolvenzfälle entfalle jedoch weiterhin auf Kleinunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten (81,0 % aller Fälle). – Mit der Berichterstattung über geopolitische Risiken bei deutschen kapitalmarktorientierten Unternehmen beschäftigt sich der Beitrag von Djamchidi/Berndt in dieser Ausgabe.
Gabriele Bourgon, Ressortleiterin Bilanzrecht und Betriebswirtschaft
BB 2026, 1576
