Im Blickpunkt
Babyboomer in Rente: Der Renteneintritt der sog. Babyboomer trifft den deutschen Arbeitsmarkt stärker als bislang befürchtet. Bis 2036 – dann erreicht der letzte Jahrgang der geburtenstarken Generation das Rentenalter – schrumpft die Erwerbsbevölkerung um rund 4,3 Mio. Arbeitskräfte, so eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gemäß einer PM vom 15.6.2026. Noch vor zwei Jahren rechnete das IW mit einer Lücke von drei Mio. Grund für die pessimistischere Prognose: Die Bevölkerung schrumpfe früher als angenommen. Insgesamt zählten fast 20 Mio. Menschen zu den geburtenstarken Jahrgängen 1954 bis 1969. Etwa fünf Mio. seien bereits heute älter als 67, der Rest erreiche bis 2036 das Rentenalter – im Schnitt rund 1,3 Mio. Menschen pro Jahr. Nachrücken würden jährlich aber nur etwa 800 000. Dem Arbeitsmarkt gingen so Jahr für Jahr rund eine halbe Mio. potenzielle Arbeitskräfte verloren. Bis 2036 sinke das Erwerbspersonenpotenzial dadurch um etwa 7 % auf rund 51 Mio. Menschen. Die Bevölkerung geht nach der Studie 2025 erstmals seit vielen Jahren zurück – um 100 000 Menschen. Bis 2040 werde sie auf unter 82 Mio. sinken. “Deutschland steht nicht vor dem demografischen Wandel, sondern befindet sich bereits mittendrin”, sagt IW-Experte Holger Schäfer. “Schon in wenigen Jahren fehlen der Wirtschaft die Arbeitskräfte, um Wohlstand zu erarbeiten und den Sozialstaat in seiner heutigen Form zu tragen”. Im Kern gebe es zwei Hebel: Mehr Menschen müssten länger arbeiten und qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland müssten gewonnen werden.
Prof. Dr. Christian Pelke, Ressortleiter Arbeitsrecht
BB 2026, 1523
