Im Blickpunkt

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Abbildung 12

Seit 2020 sind die Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall um mehr als 21 Mrd. Euro gestiegen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) laut PM vom 29.8.2026. Dazu könnte auch die Entwicklung des Krankenstands beigetragen haben. Die Fortzahlung der Löhne für erkrankte Beschäftigte hat die deutschen Arbeitgeber im Jahr 2025 nach der Berechnung rund 85,6 Mrd. Euro gekostet. 72,5 Mrd. Euro davon entfielen auf die fortgezahlten Bruttoentgelte, weitere 13,1 Mrd. Euro auf die Sozialbeiträge, die Arbeitgeber zusätzlich für ihre erkrankten Beschäftigten aufbringen. Binnen 15 Jahren haben sich die nominalen Aufwendungen danach mehr als verdoppelt. Für den Anstieg sind gemäß der PM mehrere Faktoren verantwortlich: So seien die Kosten der Entgeltfortzahlung mit der Lohnentwicklung gestiegen. Weil die Zahl der Beschäftigten gewachsen ist, hätten mehr Arbeitnehmer Anspruch darauf. Allerdings sei auch der Krankenstand gestiegen. Seit der elektronischen Erfassung der Atteste im Jahr 2022 liege er deutlich über dem Vorcorona-Niveau. Ob dahinter auch mehr tatsächliche Fehlzeiten im Betrieb stehen oder nur eine vollständigere Erfassung, ist nicht abschließend geklärt. Womöglich mache sich der demografische Wandel bemerkbar: Ältere Beschäftigte erkrankten häufiger an Muskel- und Skeletterkrankungen, deren Genesung länger dauere. Zudem haben laut der Studie psychische Erkrankungen zugenommen. Sie machten zwar kaum 5 % aller Krankheitsfälle aus, verursachten aber rund 13 % aller Ausfalltage. Die Bundesregierung strebt (mehrheitlich) an, Arbeitnehmer zu verpflichten, ein Attest bereits ab dem ersten Fehltag vorzulegen. “Ob der Krankenstand damit sinkt, bleibt offen”, sagt IW-Ökonom Jochen Pimpertz, zumal Arbeitgeber eine solche Bescheinigung grundsätzlich auch heute schon ab dem ersten Tag verlangen können.

Prof. Dr. Christian Pelke, Ressortleiter Arbeitsrecht

BB 2026, 2098