Im Blickpunkt
Die Bedrohung durch Wirtschaftskriminalität wird gemäß einer PM der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG vom 2.6.2026 von Unternehmen in Deutschland zunehmend ernster eingeschätzt, insbesondere vor dem Hintergrund des wachsenden Einsatzes von Künstlicher Intelligenz. Inzwischen bewertet danach fast jedes zweite Unternehmen (48 %) das Risiko für das eigene Haus als hoch oder sehr hoch, 71 % sehen ein erhebliches Risiko durch KI-basierten Betrug. Das zeige die aktuelle KPMG-Studie “Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2025/2026”, für die fast 800 Unternehmen im Frühjahr 2025 repräsentativ nach Branchen und Größen befragt wurden. Bei den betroffenen Unternehmen stünden Betrug und Untreue im Vordergrund: 65 % berichteten entsprechende Vorfälle. Der Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen spiele bei über der Hälfte der Unternehmen eine Rolle (51 %). Wie in den Vorjahren beträfen die Vorfälle vor allem die IT der Unternehmen (51 %). Es folgten das Finanz- und Rechnungswesen (26 %) sowie die Geschäftsführung (25 %). Die gemeldeten Schäden lägen überwiegend im unteren und mittleren Bereich. Am häufigsten würden Unternehmen Gesamtschäden von unter 10 000 Euro (31 %) nennen. Doch es könne teurer werden: Immerhin noch 18 % der Unternehmen meldeten Schäden zwischen 90 000 und 100 000 Euro. Bei der Täterherkunft zeige sich ein differenziertes Bild. Externe Täter spielten insbesondere bei Korruptionsfällen eine zentrale Rolle, während bei datenbezogenen Delikten wie Datendiebstahl oder dem Verrat von Geschäftsgeheimnissen interne Beteiligungen häufig genannt würden. Auffällig sei zudem, dass wirtschaftskriminelle Handlungen in relevanten Fällen auch dem Management zugerechnet würden – u. a. bei Betrug, Korruption und Manipulationen. Das Risikobewusstsein sei insbesondere bei technologiebezogenen Delikten ausgeprägt. So stuften 73 % der Unternehmen das Risiko von Datendiebstahl und Datenmissbrauch als hoch oder sehr hoch ein. Auch KI-basierter Betrug werde als erhebliche Bedrohung wahrgenommen. 71 % sähen hier ein hohes oder sehr hohes Risiko, 58 % erwarteten einen weiteren Anstieg in den kommenden zwei Jahren. Gleichzeitig gäben 73 % an, bislang nicht von kriminellen Handlungen unter Einsatz von KI betroffen gewesen zu sein; 16 % könnten dies nicht beurteilen. Die gesamte Studie ist unter www.kpmg.com abrufbar.
Gabriele Bourgon, Ressortleiterin Bilanzrecht und Betriebswirtschaft
BB 2026, 1384
