Im Blickpunkt

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Abbildung 15

Die Chief Financial Officers (CFO) internationaler Unternehmen in Deutschland bewerten laut einer PM der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG vom 22.4.2026 die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands deutlich kritischer – in einer Phase, da Energiepreis-Eskalationen durch den Iran-Krieg, Zollkonflikte, der Import-Boom aus China und der starke Euro die globale Standortwahl weiter massiv verschärfen. Das zeige der KPMG-Standortindex, eine Detailanalyse von 24 zentralen Standortfaktoren, der im EU-Vergleich auf einen historischen Tiefstand gefallen sei. Zugleich beurteilten 52 % der CFO die wirtschaftliche Lage ihrer deutschen Tochtergesellschaften als “schlecht” oder “sehr schlecht”. Dies sei nahezu eine Verdreifachung gegenüber 2023. Für die Studie “Business Destination Germany” habe KPMG 400 CFO der größten deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne aus den acht wichtigsten Investorenländern Deutschlands befragt. Der Standortindex zeige den kontinuierlichen Rückgang: Seit der Erstauflage der Studie 2017 sei der Wert von +3,1 Punkten über +2,6 (2019), +2,4 (2021) und +1,2 (2023) sukzessive auf +0,2 gefallen. Deutschland liege damit nur noch knapp über dem EU-Durchschnitt. “Der niedrige Wert ist das Ergebnis von acht Jahren schleichender Erosion des Standorts bei Energiekosten, Digitalisierung, Regulierung, Steuern, Infrastruktur und Fachkräften”, fasse Andreas Glunz (Bereichsvorstand International Business der KPMG) weiter zusammen. “Für immer mehr CFOs internationaler Konzerne wird Deutschland vom Ankerstandort zum Prüfstandort.” Die Stimmung internationaler Unternehmen in Deutschland habe sich deutlich verschlechtert. 2023 hätte knapp jedes fünfte (18 %) die Lage seiner deutschen Tochtergesellschaft als “schlecht” oder “sehr schlecht” bewertet (2021: nur 8 %). In der aktuellen Erhebung sei es mehr als jedes zweite Unternehmen (52 %). Nur noch 23 % bewerteten ihre aktuelle Situation als “gut” oder “sehr gut”. Das seien 28 Prozentpunkte weniger als 2023 sowie 43 Prozentpunkte weniger als 2021. Die schwächeren Erwartungen spiegelten sich in den Investitionsplänen. Knapp jedes vierte Unternehmen (23 %) wolle in Deutschland weniger investieren. Das seien mehr als doppelt so viele wie vor zwei Jahren (11 %). Besonders ausgeprägt sei dieser Trend bei Unternehmen aus Südostasien: 71 % von ihnen wollten ihre Investitionen zurückfahren. Bei Investoren aus Mittel- und Osteuropa liege der Anteil bei 47 %. Von den Unternehmen, die kürzten, planten 26 % Einschnitte von mehr als 30 %.

Gabriele Bourgon, Ressortleiterin Bilanzrecht und Betriebswirtschaft

BB 2026, 1001