Im Blickpunkt
Die Folgen der anhaltenden geopolitischen Konflikte werden für Unternehmen immer spürbarer, wie der aktuelle Chief Financial Officer (CFO) Survey der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte zeigt. So sind gemäß ihrer diesbezüglichen PM vom 19.5.2026 geopolitische Risiken der stärkste Risikofaktor für das eigene Unternehmen – fast zwei Drittel (63 %) der CFO sähen dies so (+ 11 Prozentpunkte). Finanzvorstände nähmen zudem Rohstoff- und Energiekosten als deutlich bedrohlicher wahr als noch vor einem halben Jahr. Fast die Hälfte der Befragten (46 %) sehe steigende Rohstoffkosten als hohes Risiko (+ 23 Prozentpunkte), 43 % sorgten sich um steigende Energiekosten (+ 22 Prozentpunkte). Angesichts der aktuellen Krisen rücke der Fachkräftemangel in den Hintergrund (20 %). Für den Survey habe Deloitte zwischen dem 16.4. und 7.5.2026 164 Finanzvorstände in Deutschland befragt. Die Stimmung unter den CFO habe sich in den vergangenen drei Monaten deutlich verschlechtert. Nahezu die Hälfte der Befragten habe die Geschäftsaussichten schlechter eingeschätzt als vor drei Monaten. Der Indexwert, die Differenz aus positiven und negativen Einschätzungen, falle von einem Prozent im Herbst auf –21 %. Besonders düster seien die Aussichten in der Immobilienbranche (–50 %) und im Maschinenbausektor (–38 %). Gute Nachrichten gebe es lediglich aus der Technologiebranche, die einen Index von +8 % aufweise. Bei Großunternehmen liege der Indexwert für die Geschäftsaussichten zwar im negativen Bereich (–16 Prozentpunkte), der Blick in die Zukunft sei jedoch optimistischer. Über zwei Drittel der befragten Großunternehmen (68 %) erwarteten steigende Umsätze und fast die Hälfte (49,9 %) höhere Margen. Deutlich skeptischer blicke man im Mittelstand in die Zukunft (Index: –24 %). Hier rechne nur knapp die Hälfte (53 %) mit Umsatzwachstum und etwas mehr als ein Drittel (39 %) mit steigenden Margen. “Die deutschen Unternehmen sind hoch internationalisiert, deswegen treffen sie die geopolitischen Umbrüche besonders. Dies gilt insbesondere für den Mittelstand, der noch mehr unter Druck steht als die Großunternehmen. Die breiter aufgestellten Produktionsnetzwerke der Großunternehmen dürften ein Grund sein, warum sie geopolitische Konflikte besser abfedern können”, so Dr. Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte.
Gabriele Bourgon, Ressortleiterin Bilanzrecht und Betriebswirtschaft
BB 2026, 1257
