Im Blickpunkt
Die Zahl der Gewinnwarnungen deutscher börsennotierter Unternehmen ist gemäß einer PM der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY vom 23.3.2026 im Jahr 2025 deutlich gesunken. Nach einem Höchststand von 160 Gewinnwarnungen im Jahr 2023 und einem weiterhin hohen Niveau von 153 im Jahr 2024 seien im vergangenen Jahr insgesamt 118 Gewinnwarnungen registriert worden. Sinkende Umsätze seien für mehr als die Hälfte der Unternehmen der wichtigste Grund für die Anpassung ihrer Prognosen, wie eine aktuelle Studie der Strategie- und Transaktionsberatung EY-Parthenon zeige. Besonders häufig passten Unternehmen aus dem Medien- und Technologiesektor ihre Erwartungen nach unten an, gefolgt von Finanzdienstleistern, Beteiligungsgesellschaften und der Schwerindustrie. Der Rückgang der Gewinnwarnungen dürfte jedoch nicht allein auf die leicht verbesserte wirtschaftliche Lage zurückzuführen sein, sondern vor allem auf konservativere Unternehmensplanungen: “Viele Unternehmen formulieren ihre Prognosen vor dem Hintergrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre zurückhaltender und kalkulieren Unsicherheiten stärker ein”, so Andreas Warner, Performance, Turnaround & Restructuring Lead von EY-Parthenon. Geopolitische Risiken, die Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft und die anhaltende Konsum schwäche blieben zentrale Herausforderungen. Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg sei ein rückläufiger Umsatz der häufigste Grund für die Korrektur von Unternehmensprognosen gewesen. Die schwache globale Nachfrage werde jedoch auch oft von Unternehmen als Begründung genutzt, wenn keine spezifischeren internen Gründe genannt werden. An zweiter Stelle folgten mit 17 % die hohen Finanzierungskosten, die vor allem auf die anhaltend hohen Risikoaufschläge der Banken sowie die nach wie vor erhöhte Inflations- und Unsicherheitslage im Jahr 2025 zurückzuführen seien. Lieferkettenprobleme und operative Herausforderungen hätten vor allem das Jahr 2022 geprägt, seien danach jedoch mit der schrittweisen Normalisierung der Märkte auf 14 % zurückgegangen. Auch der Einfluss steigender Personal- und Materialkosten sei seit 2022 von 22 % auf zuletzt 14 % gesunken.
Gabriele Bourgon, Ressortleiterin Bilanzrecht und Betriebswirtschaft
BB 2026, 809
