Mit nur drei Initial Public Offerings (IPO) und einem Emissionsvolumenvon 1,186 Mrd. Euro geht 2025 als schwächstes IPO-Jahr seit 2020 in die Geschichte ein. 2024 hatte die Frankfurter Börse immerhin fünf IPO verzeichnet, die insgesamt Erlöse in Höhe von 1,914 Mrd. Euro einspielten. Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie Kapitalerhöhungen von Unternehmen mit Primary Listing an der Börse Frankfurt erfasst. Dem Prothesenhersteller Ottobock sei im vierten Quartal gelungen, was kein anderes Unternehmen im Jahresverlauf schaffte: ein IPO im Prime-Standard an der Frankfurter Börse. Bei seiner geglückten Erstnotiz im Oktober habe das Unternehmen 808 Mio. Euro eingespielt. Auch auf dem Sekundärmarkt habe sich die Aktie stabil entwickelt. Mit dem Elektrotechnik-Zulieferer PFISTERER und dem Softwarehersteller innoscripta hätten 2025 zwei Unternehmen den Sprung ins Scale-Segment der Frankfurter Börse geschafft. Während die PFISTERER-Aktie seit IPO eine positive Wertentwicklung genommen habe, laufe die Kursentwicklung von innoscripta weniger positiv. Dazu kämen zwei namhafte Neuzugänge im Prime Standard, die durch Spin-offs entstanden seien: AUMOVIO als Spin-off des Automobilbereichs von Continental und der Marineschiffbauer TKMS durch die Abspaltung von thyssenkrupp. Beide Unternehmen seien zum Jahresende auch direkt in den MDAX eingezogen. Da die Listings dieser beiden Spin-offs ohne direkte Aktienplatzierungen erfolgt seien, würden sie in der Analyse nicht als IPO gewertet. In puncto Kapitalerhöhungen falle die Bilanz für das Gesamtjahr 2025 auf den ersten Blick solide aus: Insgesamt nutzten 20 Unternehmen das Instrument der Kapitalerhöhung, um sich insgesamt 3,82 Mrd. Euro über die Börse zu besorgen (Vorjahr: 22 Kapitalerhöhungen mit einem Gesamtvolumen von 569 Mio. Euro). Der Löwenanteil des Emissionsvolumens sei allerdings von einer einzigen Kapitalerhöhung bestimmt worden: Der Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg habe im dritten Quartal 2025 3,106 Mrd. Euro einnehmen können, um ein Investitionsprogramm voranzutreiben. Auch bei den Fremdkapitalemissionen sei das Jahr 2025 durchwachsen verlaufen: Im Vergleich zum Vorjahr sei die Anzahl der Emissionen im Investment-Grade um rund 10 % zurückgegangen: von 108 im Jahr 2024 auf 97 im Jahr 2025. Das Emissionsvolumen sei ebenfalls rückläufig gewesen und habe für das Gesamtjahr bei 80,479 Mrd. Euro gelegen (Vorjahr: 83,611 Mrd. Euro). Im High-Yield-Bereich zeige sich ein ähnliches Bild: Dort hätte sich das Emissionsvolumen nach einem starken Jahresauftakt im ersten Halbjahr 2025 noch über dem Niveau des Vorjahres bewegt. Ein schwaches zweites Halbjahr und insbesondere das Schlussquartal des Jahres hätten jedoch insgesamt für einen Rückgang des Volumens um 18 % im Vergleich zum Vorjahr gesorgt. Auch die Anzahl der Emissionen von High-Yield Bonds sei deutlich gesunken – von 57 im Jahr 2024 auf 40 im Jahr 2025. Die jüngste Zinssenkung durch die FED werde wahrscheinlich 2026 zu einem deutlichen Anstieg der Emissionen von High-Yield Bonds führen. Für das Jahr 2026 geht PwC-Experte Stephan Wyrobisch trotz solider Rahmenbedingungen nicht von einem Boom-Jahr für Börsengängen aus. Er rechnet mit ungefähr fünf bis zehn Börsengängen in Frankfurt, da sich das Vertrauen in den Kapitalmarkt erst wieder aufbauen müsse. Ein weiterer Grund dafür könne auch ein erneut entflammter Trend aus den USA sein, der aktuell nach Europa schwappt: Dort erfreuten sich sog. Special Purpose Acquisition Companies (SPAC) wieder großer Beliebtheit. Rund die Hälfte des Transaktionsvolumens aus den Finanzdienstleistungssektor am US-Kapitalmarkt sei 2025 auf SPAC-Transaktionen entfallen. Dabei sammele eine Mantelgesellschaft zunächst über einen Börsengang Geld ein, um damit im zweiten Schritt die Übernahme eines privaten Unternehmens zu finanzieren, das damit den Sprung an die Börse schafft.
(PM PwC vom 23.12.2025)

