Mit dem ifo Tankrabatt-Tracker untersuchen wir, ob bzw. in welchem Umfang die Mineralölkonzerne den Tankrabatt an die Autofahrerinnen und Autofahrer weitergeben. Zu diesem Zweck verfolgen wir die Preise für Dieselkraftstoff, Super E5 und Super E10 in Deutschland und schätzen mithilfe moderner statistischer Verfahren, wie viel vom Tankrabatt tatsächlich an den Zapfsäulen ankommt. Wir veröffentlichen jeden Werktag neue Zahlen, die die Entwicklung bis zum Vortag widerspiegeln.
Weitergabe des Tankrabatts im Zeitverlauf
Die Abbildung zeigt, wie sich der Tankrabatt auf die Preise für Diesel (blaue Linie), Super E5 (rote Linie) und Super E10 (grüne Linie) ausgewirkt hat, und zwar in Cent je Liter. Die durchgezogene vertikale Linie markiert den Tag der Einführung des Tankrabatts (1. Mai), die gestrichelte vertikale Linie den Tag der Verabschiedung in Bundestag und Bundesrat (24. April). Die Preiswirkung wird in Form der Veränderung der Preisdifferenz zwischen Deutschland und Frankreich gemessen. Bei einer vollständigen Weitergabe des Tankrabatts würden die Preise (in Relation zu denen in Frankreich) um 17 Cent je Liter sinken. Das wird durch die lila horizontale Linie dargestellt.

Hintergrund
Als Reaktion auf die gestiegenen Spritpreise hat die Bundesregierung beschlossen, die Energiesteuersätze für Diesel und Benzin zu senken (sog. Tankrabatt). In Kombination mit der geringeren Umsatzsteuer sinken durch diese Maßnahme die Steuern für Kraftstoffe um jeweils circa 17 Cent brutto pro Liter. Die Senkung tritt zum 1. Mai 2026 in Kraft und ist zunächst bis zum 30. Juni 2026 befristet. Auf diese Maßnahme verständigte sich der Koalitionsausschuss mit den Spitzen von CDU, CSU und SPD am 13. April 2026. Bundestag und Bundesrat stimmten am 24. April für die Einführung des Tankrabatts.
Die gestiegenen Spritpreise sind eine Folge des Iran-Kriegs. Der Tankrabatt soll Autofahrerinnen und Autofahrer finanziell entlasten. Dies geschieht allerdings nur, wenn die Mineralölkonzerne bzw. Tankstellenbetreiber die Senkung der Energiesteuer an die Autofahrerinnen und Autofahrer weitergeben. Davon geht die Bundesregierung zwar aus, sicher ist eine (vollständige) Weitergabe jedoch nicht, da Mineralölkonzerne bzw. Tankstellenbetreiber die Preise für Kraftstoffe festlegen.
Der Tankrabatt ist eine teure Maßnahme. Laut Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen führt die Maßnahme im laufenden Jahr zu Steuermindereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro. Er steht außerdem im Konflikt zu umweltpolitischen Zielen.
Schätzansatz
Die Preise für Kraftstoffe unterliegen Schwankungen. Diese sind u.a. auf Änderungen der Ölpreise, der Transport- und Beschaffungsbedingungen und der Nachfrage zurückzuführen. Um die Auswirkungen politischer Maßnahmen wie dem Tankrabatt auf die Kraftstoffpreise zu ermitteln, muss der Einfluss anderer Faktoren, die die Preise beeinflussen, herausgerechnet werden. Durch einen einfachen Vorher-Nachher-Vergleich gelingt dies nicht.
Um zu identifizieren, ob bzw. in welchem Umfang der Tankrabatt tatsächlich an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wird, vergleichen wir stattdessen die Benzinpreisentwicklung in Deutschland und in Frankreich auf Basis eines sogenannten Differenz-in-Differenzen-Ansatzes. Dabei dient die Preisentwicklung in Frankreich als Kontrafaktum. Das heißt, es wird angenommen, dass die Preise in Deutschland ohne Einführung des Tankrabatts nach dem 1. Mai 2026 demselben Trend gefolgt wären wie die französischen Benzinpreise. Hierfür wird zunächst die tägliche Differenz zwischen den durchschnittlichen Benzinpreisen in Deutschland und denen in Frankreich berechnet und anschließend um die Preisdifferenz an einem Stichtag, der vor Inkrafttreten des Tankrabatts liegt, bereinigt. Auf diese Weise lassen sich länderspezifische Preisniveauunterschieden berücksichtigen. Als Stichtag für unsere Analyse wählen wir den 23. April, also einen Tag bevor der Tankrabatt im Bundestag beschlossen wurde. An diesem Tag entspricht die Differenz zwischen dem deutschen und französischen Benzinpreis in etwa dem Wochendurchschnitt.
Daten
Die Daten zu den Kraftstoffpreisen in Deutschland stammen von der Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts. Sämtliche Tankstellen in Deutschland sind verpflichtet, Preisänderungen an die Markttransparenzstelle zu übermitteln. Der Zugang zu diesen Daten läuft über die Preisvergleichsseite „tankerkoenig.de“. Daten zu den Kraftstoffpreisen in Frankreich stammen von der Online-Datensammlung „Le prix des carburants“ des französischen Wirtschaftsministeriums.
Sowohl für Deutschland als auch für Frankreich liegen uns minutengenaue Informationen zu den Preisen für die Superkraftstoffe E5 und E10 sowie für Diesel für sämtliche Tankstellen in den beiden Ländern vor. Für unsere Auswertung aggregieren wir diese Daten in zwei Schritten. Im ersten Schritt berechnen wir für jede Tankstelle den zeitlich gewichteten Tagesdurchschnittspreis. Im zweiten Schritt berechnen wir den Mittelwert dieser Tagesdurchschnittswerte über sämtliche Tankstellen hinweg. Dabei berücksichtigen wir lediglich Preise im Zeitfenster zwischen 6 und 22 Uhr. Bei der Durchschnittsberechnung gewichten wir die Benzinpreise mit der zeitlichen Dauer, für die die Preise galten. Die auf diese Weise ermittelten Durchschnittswerte geben an, welchen Preis ein Autofahrer bzw. eine Autofahrerin für den Liter zahlen musste, wenn er/sie zu einem beliebigen Zeitpunkt eine beliebige Tankstelle aufgesucht hat.


